Eosinophiles Asthma

In der Forschung hat sich gezeigt, dass bei Betroffenen, deren Asthma nicht ausreichend kontrolliert werden kann, oft eine hohe Anzahl von Eosinophilen im Blut festzustellen ist. Eosinophile sind Bestandteile des körpereigenen Immunsystems und insbesondere zuständig für die Abwehr von Parasiten.

Ist ihre Konzentration übermäßig hoch, werden vermehrt entzündliche Botenstoffe (Interleukine, kurz: IL) produziert, die in die Lunge einströmen und dort das Gewebe angreifen und zerstören können. Bei dieser Asthma-Erkrankung spricht man deshalb von eosinophilem Asthma.

Mit modernen künstlich hergestellten Antikörpern, welche die IL binden und damit deren schädliche Wirkung blockieren, kann die Entzündung der Atemwege nachhaltig gestoppt werden. Insbesondere für die 10 bis 20 Prozent der Asthma Patienten, die auf die gängigen Therapieoptionen nur unzureichend ansprechen, ergibt sich mit den bereits heute zur Verfügung stehenden Antikörpertherapien gegen den Botenstoff IL-5 eine deutliche Steigerung der Symptomkontrolle und dadurch eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensqualität. Nach ersten Studienergebnissen kann die Zahl schwerer Asthmaanfälle so um die Hälfte reduziert werden. Aber auch andere Botenstoffe stehen unter Verdacht, Auslöser für Asthma zu sein. Die Forschung beschäftigt sich daher derzeit intensiv mit der Entwicklung weiterer wirksamer Antikörpertherapien, die aller Voraussicht nach in naher Zukunft die Asthmatherapie noch effizienter und individueller behandelbar machen werden.

Biologika in der Pneumologie

Das Outcome von Patienten mit schwerem Asthma ist unter einer Therapie mit bislang verfügbaren Medikamenten oft nicht zufriedenstellend oder die klinische Stabilisierung wird mit schwerwiegenden Langzeit-Nebenwirkungen erkauft. Es gibt jedoch mittlerweile innovative biologische Therapieoptionen, die ein großes Potenzial haben, auch bisher therapierefraktäre Formen asthmatischer Erkrankungen erfolgreich zu behandeln. Seit Januar 2017 ist ein neuer monoklonaler Interleukin-5 (IL-5)-Antikörper (Reslizumab) als Zusatzbehandlung bei Erwachsenen mit schwerem eosinophilen Asthma, verfügbar.

Neue Chancen für die Therapie schwerer Asthma-Erkrankungen

Asthma ist eine häufige und potenziell schwerwiegende chronische Krankheit, die respiratorische Symptome verursacht, Aktivitäten und Lebensqualität einschränkt und Exazerbationen auslöst, die eine Notfallversorgung erforderlich machen können und im schlimmsten Fall tödlich verlaufen. Mit bewährten Medikamenten ist die Erkrankung heute jedoch bei den meisten Patienten gut kontrollierbar. Behandelt wird sowohl nicht-medikamentös (Allergenkarenz, Raucherentwöhnung, Patientenschulung und körperliches Training) als auch mit medikamentösen Therapien, deren Intensität sich am erreichten Kontrollgrad orientieren sollen. Je nach Asthma-Kontrolle benötigter Therapieintensität („Stufe“) wird die Erkrankung in vier Schweregrade eingeteilt. Von Schweregrad I intermittierendes Asthma, über II geringgradig persistierendes, III mittelgradig persistierendes bis IV schwergradig persistierendes Asthma. Obwohl es für die Erkrankung wirksame Therapieoptionen gibt, nimmt die Asthmakontrolle mit zunehmendem Schweregrad der Erkrankung kontinuierlich ab, stellt das aktuelle "Weißbuch Lunge 2014" fest. Bei mehr als zwei Drittel der Patienten mit schwerem Asthma müsse die Krankheit als unzureichend kontrolliert eingestuft werden.

In den vergangenen 30 Jahren gab es auf dem Gebiet der Asthmaforschung einen enormen Wissenszuwachs. So wurde beispielsweise das Bronchialschleimhautepithel als kommunizierende Membran (zwischen Organismus und Umwelt) und seine Triggerrolle sowohl bei der Entstehung als auch bei der Exazerbation von Asthma besser verstanden. Außerdem sind eosinophile Granulozyten neu wieder in den Fokus der wissenschaftlichen Forschung gerückt, zusätzlich zu anderen "Playern", u. a. T-Zellen, B-Zellen und IgE, die ebenfalls zum pathophysiologischen Verständnis des Asthmas gehören. Mit zunehmend besserem Verständnis pathogenetischer Mechanismen wurden innovative Präparate generiert, die an unterschiedlichen Targets in diese Mechanismen immunmodulatorisch eingreifen (Anti-IgE, Anti-IL-5, în der Pipeline Anti-IL4/13 und viele weitere). Bei der Suche nach Möglichkeiten, die Patienten zu identifizieren, die wahrscheinlich am meisten von einer innovativen Therapie profitieren können, werden neben Gesamt-IgE, bekannter Allergie und Eosinophilenzahlen und weiteren Markern, wie z.B. FeNO oder Periostin auch Komorbiditäten in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen.

 

 

 

Reslizumab ist ein Interleukin-5(IL-5)-Antikörper. Interleukin-5 spielt eine Schlüsselrolle bei der Reifung, Rekrutierung und Aktivierung sowie das Überleben von Eosinophilen. Diese sind bei Patienten mit eosinophilem Asthma erhöht. Wird die Wirkung von IL-5 durch Antikörper wie Reslizumab gehemmt, reduziert sich die Eosinophilenzahl und -aktivität. In der Folge geht die Entzündung zurück, und die Patienten haben weniger Asthma-Symptome und -Anfälle. Die Patienten berichten über eine spürbare Reduktion der Exazerbationsrate, eine verbesserte Lungenfunktion sowie eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität und bestätigen damit die Studienergebnisse.1

 

 

Trotz gesicherter Erkenntnisse darüber, dass Asthma bronchiale eine hyperproliferative, entzündliche Erkrankung ist, bestehen noch zahlreiche Wissens-Defizite. Das betrifft z. B. das Verständnis des Netzwerkes von Strukturelementen in der Lunge und im Immunsystem. Oder auch den Zusammenhang zwischen Lungenfunktion, bronchialer Hyperreagibilität und Entzündung. Daran wird intensiv geforscht, um gezieltere therapeutische Optionen zu entwickeln, die auch die glatte Muskulatur der Atemwege beeinflussen, direkt in die Epithelstrukturen eingreifen oder die Neuronen adressieren können. Ganz aktuell in der Diskussion zur Asthma-Transition befindet sich beispielsweise auch das Mikrobiom des Darmes und der Haut. Zurzeit beginnt die biologische Intervention mit den innovativen Medikamenten erst am Ende von Prozessen, die viel früher begonnen haben. Mit besserem Verständnis des Zusammenspiels von Pathophysiologie und frühen krankheitsfördernden Faktoren eher in die Krankheitsprozesse einzugreifen sei die intelligentere Lösung als die Therapie zu beginnen, "wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist". Den Zeitpunkt möglicher biologischer Interventionen noch genauer zu definieren ist eine der großen Herausforderungen der Asthmaforschung für die Zukunft, damit die GINA*-Ziele erreicht werden: Bestmögliche Asthma-Kontrolle, Minimierung des Risikos zukünftiger Exazerbationen, eines Lungenfunktionsverlustes und von Medikamentennebenwirkungen.2

 

 

1 Corren J, Weinstein S, Janka L, Zangrilli J, Garin M. Phase 3 Study of Reslizumab in Patients With Poorly Controlled Asthma: Effects Across a Broad Range of Eosinophil Counts. Chest 2016 Oct;150(4):799-810.

2 www.ginasthma.org
*Global Initiative for Asthma (GINA)