Psychische Erkrankungen: 4 Empfehlungen für mehr Verständnis
Psychische Erkrankungen sind noch immer mit vielen Vorurteilen verbunden. Stigmatisierung führt dazu, dass Betroffene sich zurückziehen, schweigen oder keine Hilfe suchen. Dabei kann jede und jeder von uns im Alltag dazu beitragen, Verständnis zu fördern und Barrieren abzubauen.
Diese vier Schritte zeigen, wie das gelingen kann:
Ich glaube fest daran, dass jeder im Leben die Wahl hat, entweder für das einzustehen, woran er glaubt, oder einfach still zu sein. Als bei mir eine Depression (und später ADHS) diagnostiziert wurde, fühlte ich mich unglaublich allein. Niemand in meiner unmittelbaren Familie verstand es, meine Freunde unterstützten mich zwar, wussten aber damals nicht, wie sie mir helfen konnten. Aus dieser Isolation heraus begann ich, nach anderen zu suchen, die sich mit dem identifizieren konnten, was ich durchmachte, um hoffentlich aus ihren Erfahrungen lernen zu können. Zu diesem Zeitpunkt begann sich mein Umfeld zu formen, und mein Leben nahm eine neue Richtung. Ganz ohne Risiken war das allerdings nicht.
Psychische Störungen sind eines der am meisten missverstandenen und stigmatisierten Gesundheitsprobleme weltweit. Psychische Erkrankungen betreffen alle Geschlechter, Rassen und sozioökonomischen Ebenen. Niemand kann sich davor schützen, dass man selbst oder Angehörige irgendwann Unterstützung wegen psychischer Erkrankungen benötigen. Auch dann nicht, wenn diese Phase nur vorübergehend ist. Aber leider finden sich Menschen, die Hilfe brauchen, oft isoliert, ausgegrenzt und allein wieder.
Dies kann dazu führen, dass die Betroffenen das Gefühl haben, nur wenige Optionen zu haben: im Stillen zu leiden, sich heimlich behandeln zu lassen oder sich der Kritik von Menschen auszusetzen, die nicht daran interessiert sind, Ihre Notlage zu verstehen. Es gibt Menschen, die immer noch glauben, dass psychische Probleme ein Hirngespinst sind. Einige sind der Ansicht, psychische Erkrankungen ließen sich allein mit genügend Willenskraft und mentaler Stärke überwinden. Andere glauben, dass Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden, nur nach Aufmerksamkeit suchen. Nichts davon könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.

Die Frage ist also: Was tun wir, um diese Stigmata und Missverständnisse zu beheben? Nun, es gibt leider keine Lösung von heute auf morgen. Es kann und wird Zeit brauchen, um jahrzehntelange Fehlinformationen und sogar Diskriminierung zu korrigieren. Es wird nicht einfach sein, aber ich habe eine Vision von einer Welt, in der keine und keiner von uns jemals wieder allein leiden muss. In dieser idealen Welt werden wir in der Lage sein, psychische Gesundheit einfacher aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen. Ich glaube wirklich, dass es machbar ist.
Hier sind ein paar Möglichkeiten, wie wir meiner Meinung nach anfangen können.
1. Informieren Sie sich über psychische Erkrankungen
Man kann nichts bekämpfen, was man nicht versteht, also fangen wir damit an. Wie viel wissen Sie über psychische Erkrankungen, entweder aus Ihren eigenen Erfahrungen oder denen anderer Personen? Meinungen gibt es viele auf dieser Welt – aber es gibt keinen Grund, sich eine Meinung zu bilden, ohne sich zuvor zu informieren. Es gibt viele Informationsquellen, die Ihnen helfen können, die Komplexität der psychischen Gesundheit besser zu verstehen: Bücher, wissenschaftliche Forschung, Interessenvertretungen, Erfahrungsberichte aus erster Hand (wie dieser) und Podcasts, um nur einige zu nennen.
Finden Sie heraus, wie es ist, mit dieser Art von Herausforderungen zu leben und wie Sie den Menschen helfen können, die Schwierigkeiten haben, mit ihnen zu leben. Sich über diese Themen und Erkrankungen zu informieren hilft, Stigmatisierung zu erkennen und ihr entgegenzuwirken. Ein achtsames Weitergeben von Wissen kann dabei langfristig Wirkung entfalten.
2. Seien Sie ein sicherer Ort
Mit einer psychischen Erkrankung zu leben ist nicht schön. Manche unserer Geschichten sind schwer anzuhören, andere beschämend, sie auszusprechen. Meiner Meinung nach gibt es nichts Hilfreicheres, um das Stigma von psychischen Erkrankungen zu bekämpfen, als den Betroffenen einen sicheren Ort zu geben, an dem sie über ihre Probleme sprechen können. Wenn Menschen mit psychischen Problemen von anderen umgeben sind, die in der Lage sind, sich damit zu identifizieren, wird es so viel einfacher, sich zu öffnen. Wenn Sie diese sicheren Räume zur Verfügung stellen, helfen Sie, die Angst zu nehmen, um Hilfe zu bitten, und lassen andere wissen, dass ihr Zustand nichts ist, wofür man sich schämen muss.
3. Teilen Sie Ihre Geschichte
Wenn Sie Erfahrungen mit einer psychischen Störung gemacht haben, sollten Sie in Erwägung ziehen, Ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen, wenn Sie dazu in der Lage sind. Es spielt keine Rolle, wie sich Ihre Geschichte anhört – ob Sie gegen Depressionen gekämpft und gewonnen haben oder ob Sie immer noch kämpfen. Allein das Wissen, dass es andere da draußen gibt, die das Gleiche durchmachen, kann ein großes Gefühl der Unterstützung sein. Das ist ein kleiner Teil des Grundes, warum ich meine Online-Community gegründet habe. Es gibt Menschen, die mit psychischen Erkrankungen leben und mir sagen, dass ich eine Inspiration für sie bin, und ich weiß, dass es nicht immer daran liegt, dass ich etwas besonders Inspirierendes tue. Indem ich einfach ich selbst bin und meine Stimme erhebe, erleichtere ich es anderen, sich ein Leben vorzustellen, in dem auch sie trotz eigener Herausforderungen ihren Weg gehen und erfolgreich sein können.
4. Informieren Sie sich, wo Sie Unterstützung finden
Oft stößt man online auf Hinweise zu Krisen Hotlines – doch was ist mit fortlaufender Unterstützung, bevor eine Situation überhaupt zur Krise wird? Ich möchte diese Angebote keineswegs infrage stellen – sie sind unbedingt notwendig. Ich bin aber auch der Meinung, dass es genauso wichtig ist, dass wir den Menschen Unterstützung anbieten, bevor sie in eine Krise geraten. Machen Sie sich mit verschiedenen Unterstützungsangeboten vertraut, etwa mit lokalen Organisationen oder Online Gruppen, und geben Sie diese Informationen weiter, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Wenn Sie können, unterstützen Sie die Arbeit dieser Organisationen und Gruppen. Das kann bedeuten, dass Sie sich ehrenamtlich engagieren, Geld oder Material spenden oder sogar an einer Aufklärungs- oder Awarenessveranstaltung teilnehmen. Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren.
Fazit
Die Bekämpfung des Stigmas von psychischen Erkrankungen ist keine Ein-Personen-Aufgabe, und es kann einige Zeit dauern, bis sich unsere Kultur wirklich ändert. Aber selbst kleine Schritte oder Verhaltensweisen können, wenn sie multipliziert werden, eine große Wirkung haben.

