Im Vordergrund funkelt eine Lichterkette, im Hintergrund sind unscharf Menschen zu erkennen, die trotz Migräne unbeschwerte Feiertage verbringen

 

Oh du Fröhliche


Feiertagsstress – Strategien zum Durchhalten für Migräne-Betroffene

Ich liebe die Feiertage. Als ich aufwuchs, waren Thanksgiving und Weihnachten bei uns zu Hause immer ein großes Ereignis. Unsere Familie feierte mit großen Zusammenkünften und köstlichem Essen.

Als ich meine eigene Familie gründete, führte ich diese Traditionen fort. Bevor ich chronische Migräne* bekam, kochte ich stundenlang oder blieb die ganze Nacht wach, um Geschenke einzupacken. Das Schmücken des Hauses machte mir Freude und brachte festliche Stimmung – ich habe mich jedes Jahr darauf gefreut. Heute reicht schon der Gedanke daran, um eine Migräneattacke auszulösen. 


Alles, was ich früher gerne gemacht habe, ist heute ein möglicher Auslöser. Ich möchte immer noch alles so machen wie früher, aber mein Körper verkraftet den Stress und die Erschöpfung nicht mehr. Bevor ich etwas über Selbstfürsorge und kluge Zeiteinteilung wusste, habe ich ständig meine Grenzen überschritten – mit tagelangen starken Schmerzen als Folge. Die Aufrechterhaltung von Traditionen war mir wichtiger als meine Gesundheit.

Das hat natürlich nicht funktioniert. Ich musste einen Weg finden, meine Lieblingsfeiertage zu feiern, ohne danach tagelang im Bett zu liegen. Also habe ich für jeden Feiertag einen Plan entwickelt – und halte mich konsequent daran.

Bin ich trotzdem erschöpft? Ja, aber nicht mehr so schlimm – und ich habe gelernt, damit leben zu können, dass ich nicht mehr alles so schaffe wie früher. Man kann seine Lieblingsfeiertage trotzdem genießen, solange man rechtzeitig plant und auf sich achtet.

So habe ich gelernt, Weihnachten mit chronischer Migräne zu überstehen:


Weniger ist mehr

Meine Tochter liebt Weihnachten und kann es kaum erwarten, nach Thanksgiving mit dem Schmücken zu beginnen. Ich lege großen Wert darauf, unseren Baum schön zu dekorieren – mit aufwändigen Ornamenten und hübschen Schleifen. Aber das dauert lange und führt oft dazu, dass mir schwindelig wird, mir übel ist oder ich benommen bin. Das Ergebnis ist zwar wunderschön, aber ich lande danach oft mit einer Migräneattacke im Bett.

Vor ein paar Jahren hatte ich einen Geistesblitz: Warum nicht den Baum (natürlich keinen „echten“ Nadelbaum) – komplett geschmückt – einfach bis zum nächsten Jahr aufbewahren?

Unser Baum ist nicht besonders groß, meine Teenie-Söhne können ihn leicht in den Keller tragen. Voilà – ein fertiger Weihnachtsbaum!

Ich entferne vorher zerbrechliche und emotional wertvolle Stücke und bewahre sie separat auf. Den Baum decke ich locker mit einem großen Müllsack ab. Wenn Sie einen Schrank haben, der groß genug ist, um den Baum zu verstauen – umso besser.

Wenn keine Kinder im Haus sind, verzichten Sie vielleicht ganz auf einen großen Baum und entscheiden sich für eine kleine Tischvariante. Diese ist günstig, lässt sich mit kleinen Kugeln und Lichterketten hübsch dekorieren und ist mit viel weniger Aufwand verbunden.
Wenn Sie ein Weihnachtsessen zubereiten möchten, ist frühzeitige Planung das A und O. Ich beginne meist eine Woche vorher mit den Vorbereitungen. Schon bei meinen normalen Einkäufen besorge ich Zutaten, von denen ich weiß, dass ich sie brauchen werde. So muss ich nicht in letzter Minute noch los – und kann die Feiertage entspannter genießen.

Geräte wie ein Schongarer oder ein Schnellkochtopf sparen enorm Zeit und Energie. Ich nutze meinen Schongarer zum Beispiel für Grünkohl – ich stelle ihn am Vorabend ein und muss mich um nichts mehr kümmern. Auch Käse-Makkaroni (Mac and Cheese) kann man darin problemlos zubereiten.

Und warum nicht die Kinder mit einbeziehen? Sie können den Tisch decken oder Zutaten bringen. Ältere Kinder können auch in der Küche helfen.


Reisen während der Feiertage

Familienbesuche über die Feiertage können anstrengend sein – besonders für den Kopf. Egal ob mit dem Auto, Flugzeug oder Zug: Reisen bedeutet Stress, und der kann Migräneattacken auslösen.

Wir fahren meist mit dem Auto zur Familie – je nachdem, wen wir besuchen, dauert die Fahrt zwischen 6 und 14 Stunden. Früher hat mich alleine die Vorbereitung gestresst. Was mir hilft, ist vorausschauende Planung.

Hier meine Tipps für Reisen mit chronischer Migräne:

  • Verwenden Sie einen Medikamenten-Organizer oder kleine Beutel, um Ihre Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine übersichtlich zu sortieren.
  • Erstellen Sie Listen! Ich habe in der Regel drei: eine To-do-Liste, eine Einkaufsliste und eine Packliste. So behalte ich den Überblick und vergesse nichts.
  • Waschen Sie Ihre Wäsche ein paar Tage vor der Abreise – idealerweise in Etappen: das Wichtigste zuerst, den Rest am nächsten Tag.
  • Schauen Sie in der Drogerie nach Reisegrößen Ihrer Pflegeprodukte. Für diese Kleinigkeiten muss man kein Vermögen ausgeben.
  • Beginnen Sie spätestens zwei Tage vor der Abreise mit dem Packen.
  • Packen Sie eine kleine Tasche mit Ihren Notfallmedikamenten, Ohrstöpseln, Schlafmaske, Sonnenbrille oder getönter Migränebrille, kleinen Snacks sowie Pfefferminz- oder Ingwerbonbons gegen Übelkeit. Wenn Sie ätherische Öle verwenden, nehmen Sie auch diese mit.
  • Führen Sie Ihre Behandlungsunterlagen für den Notfall mit, eine Liste Ihrer Medikamente und Allergien sowie die Kontaktdaten Ihrer Ärztinnen und Ärzte. Auch die Versicherungskarte sollte nicht fehlen.
  • Trinken Sie unterwegs viel Wasser – ausreichend Flüssigkeit ist entscheidend.
  • Strecken Sie regelmäßig die Beine, um Thrombosen zu vermeiden. Gehen Sie im Flugzeug, Bus oder Zug ein paar Schritte oder machen Sie beim Tanken oder Essensstopp eine kleine Pause.

Mein Fazit

Die Feiertage können stressig sein – wenn man es zulässt. Doch gerade mit chronischer Migräne ist es entscheidend, bewusst gegenzusteuern. Welche Feste Sie auch feiern und welchen Traditionen Sie folgen: Schon kleine Änderungen im Ablauf können helfen, beschwerdefreier durch diese Tage zu kommen.

*Chronische Migräne = Kopfschmerzen an ≥15 Tagen pro Monat, davon an 8 oder mehr Tagen pro Monat mit Merkmalen eines Migränekopfschmerzes, über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten [https://ichd-3.org/de/1-migrane/1-3-chronische-migraene/]



Porträt einer Frau Jamie Sanders welche Geschichten für pflegende Menschen aus Ihrem Alltag erzählt

 

Autorin: Jamie Sanders

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