8 Lektionen, die mir Migräne über das Leben beigebracht hat
Migräne begleitet Jaime Sanders seit Jahrzehnten. Sie teilt ihre Erfahrungen mit ihrer Erkrankung und welche Lektionen sie daraus für ihr Leben abgeleitet hat.
"Migräne hat mich auf eine unglaubliche Reise mitgenommen. In den Jahrzehnten, in denen ich mit dieser Erkrankung lebe, habe ich sehr dunkle Zeiten erlebt – aber auch überraschend kraftvolle Momente.
Migräne fühlt sich an wie eine Achterbahnfahrt, deren Intensität und Tempo sich von Tag zu Tag ändern. An einem Tag geht es mir gut, am nächsten wache ich auf, als würde mein Kopf in einem Schraubstock stecken.
Unabhängig davon, wie sehr ich versuche, Auslöser zu vermeiden und die "richtigen" Dinge zu tun, wirft mich die Erkrankung immer wieder zurück.
Was ich jedoch gelernt habe: Ganz gleich, was mir die Migräne entgegenstellt – diese Reise besteht darin, immer wieder aufzustehen. Genau das trägt mich durch diese Phase und auch durch die nächste."
Hier sind einige der wichtigsten Lebenslektionen, die mir Migräne beigebracht hat.
1. Stärke
Eine chronische Erkrankung kann dazu führen, dass man sich die meiste Zeit schwach und eingeschränkt fühlt. Keine vollständige Kontrolle über den eigenen Körper und seine Reaktionen zu haben, lässt mich oft unzuverlässig erscheinen.
Wenn ich jedoch genauer hinschaue, sehe ich, wie ich kontinuierlich scheinbar unüberwindbare Situationen meistere und gleichzeitig meine Rollen als Mutter, Ehefrau, Patientenvertreterin und Schriftstellerin ausfülle.
Ich weiß nicht genau, wie ich das schaffe. Es muss eine verborgene Stärke in mir geben, denn an der Oberfläche fühle ich mich oft zerbrechlich. Doch wenn ich auf mein Leben blicke, zeigt sich ein anderes Bild. Ohne Migräne wäre ich vermutlich nicht die starke Person, die ich heute bin.
2. Ausdauer
Ohne Ausdauer gibt es keine Stärke. Jeden Tag treffe ich bewusst die Entscheidung, weiterzumachen. Aufgeben ist keine Option – auch wenn der Wunsch danach manchmal sehr präsent ist.
Dieses Leben ist herausfordernd. Migräne lehrt, wie man mit schweren Phasen umgeht. Zu wissen, dass solche Phasen auch wieder vorbeigehen, hilft mir, weiterzumachen.
3. Einsicht
Durch das Leben mit Migräne habe ich viel über mich selbst gelernt. Ich habe viel Zeit damit verbracht, meinen Gedanken Raum zu geben und über vergangene Entscheidungen und vermeintliche Fehler nachzudenken.
Chronisch krank zu sein hat mir meine Stärken, Talente und Fähigkeiten ebenso bewusst gemacht wie meine Grenzen.
4. Geduld
Warten gehört regelmäßig zu meinem Alltag. Jeder Tag ist ein weiterer Tag, an dem ich darauf warte, dass etwas beginnt oder endet. Meist warte ich darauf, dass Schmerzen, Unwohlsein oder Erschöpfung nachlassen. Passiert das immer? Nein.
Ich habe gelernt, dass nicht alles dann geschieht, wenn ich es mir wünsche. Stattdessen entfalten sich Dinge genau dann, wenn die Zeit dafür reif ist – morgen oder vielleicht erst im nächsten Jahr.
Mit Migräne bin ich diesen Weg schon oft gegangen. Deshalb weiß ich heute, dass ich mich zurücklehnen darf. Es wird geschehen, wenn es so weit ist.
5. Freundlichkeit
Migräne hat mich gelehrt, freundlich mit mir selbst umzugehen. Auf dem Weg, meine Erkrankung besser anzunehmen, habe ich erkannt, wie streng und unfair ich lange Zeit mit mir selbst war. Krank zu sein ist nicht meine Schuld, und ich habe keine Kontrolle darüber.
Meine Erkrankung definiert nicht, wer ich als Mensch bin, und sie ist nicht das Ergebnis meiner Persönlichkeit. Ich bin nicht der Grund für meine Schmerzen – und darf mich selbst aus dieser Verantwortung entlassen.
Heute achte ich bewusster darauf, wie ich über mich denke und mit mir spreche. Ich verdiene Freundlichkeit und Selbstmitgefühl – und bemühe mich jeden Tag darum.
6. Mitgefühl und Empathie
Zu wissen, wie es sich anfühlt, Schmerzen zu haben, Einschränkungen zu erleben und immer wieder Hürden überwinden zu müssen, fördert Mitgefühl und Empathie.
Migräne hat mein Herz geöffnet. Ich nehme das Leiden anderer heute sehr viel bewusster wahr. Es berührt mich, Menschen in schwierigen Situationen zu erleben, weil ich weiß, wie belastend und schmerzhaft das sein kann.
7. Die kleinen Dinge schätzen
Einen großen Teil meiner Zeit verbringe ich heute zu Hause und ich muss sehr bewusst entscheiden, wofür ich meine Energie einsetze.
Spaziergänge oder ein gemeinsames Mittagessen mit einer Freundin oder einem Freund bedeuten mir heute sehr viel, weil sie selten geworden sind. Wäsche zu waschen oder eine Mahlzeit zuzubereiten ist inzwischen ein Erfolg. Früher habe ich all das als selbstverständlich angesehen.
8. Für mich selbst eintreten
Die Reise mit Migräne hat mein Bewusstsein nachhaltig verändert.
Früher habe ich meinem Arzt kaum Fragen gestellt und Behandlungen meist unhinterfragt angenommen. Arzttermine empfand ich als einschüchternd, und es fiel mir schwer, meine Bedenken zu äußern. Als ich meinen Tiefpunkt erreichte und täglich starke Schmerzen hatte, wusste ich, dass sich etwas ändern musste.
Ich begann, meine Stimme zu finden und mich zunehmend aktiv an der Gestaltung meines Behandlungsplans zu beteiligen. Für mich selbst einzutreten, hat mir Kraft gegeben – und ich wünsche mir, dass auch andere diese Erfahrung machen können.

