4 Wege für den Umgang mit Wut und Schuldgefühlen als Pflegeperson
Es ist völlig normal, dass Pflegepersonen und pflegende Angehörige manchmal wütend werden. Diese Wut geht häufig mit Schuldgefühlen einher, weil Pflegende glauben, kein Recht auf diese Emotionen zu haben. Schließlich brauchen die Menschen, die sie pflegen, ihre Unterstützung.
Aber Wut ist nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Sie kann ein Warnzeichen sein, das auf ein zugrunde liegendes Problem oder eine Situation hinweist, die neu bewertet werden sollte.
Susanne White ist überzeugt, dass Wut und Schuldgefühle in Strategien verwandelt werden können, die dabei helfen, die Ursachen der Gefühle zu verarbeiten und sie zu verstehen, um gestärkt voranzugehen.
Hier sind vier Tipps, die ihr geholfen haben, ihre negativen Gefühle in etwas Konstruktives zu verwandeln.
In der Pflege von Angehörigen erlebt man unter Umständen täglich ein breites Spektrum an Emotionen – von Angst über Trauer bis hin zu Ärger oder sogar Wut. Manche Emotionen sind leichter zu bewältigen als andere. Einige erscheinen angemessen, während andere Scham oder Selbstvorwürfe auslösen.
Wut zum Beispiel ist ein völlig nachvollziehbares Gefühl und doch gestehen wir uns oft nicht zu, sie zu empfinden. Es fällt schwer, sie einfach zuzulassen und wie Traurigkeit, Angst oder Schuld als natürliche Reaktion zu begreifen. Das gesellschaftliche Stigma rund um Wut macht sie zu einer unerwünschten Emotion – selbst dann, wenn sie berechtigt ist.
Wir alle werden gelegentlich ärgerlich oder wütend und jede Pflegeperson hat das Recht, dieses Gefühl wahrzunehmen und zu verarbeiten. Schlucken wir den Ärger jedoch immer runter oder belegen ihn mit Schuldgefühlen, kann er sich festsetzen und langfristig belasten. Deshalb ist es wichtig, bewusst und achtsam mit Ärger und Wut umzugehen.
4 Wege, die mir geholfen haben, mit Wut umzugehen und Schuldgefühle zu mindern:
1. Erkennen Sie Ihre Gefühle an
Versuchen Sie nicht, Ihre Wut zu unterdrücken oder zu ignorieren. Lassen Sie sie zu und stehen Sie dazu. Ärgerlich oder wütend zu sein, ist normal. Diese Gefühle können hilfreiche Signal sein, um auf unangemessene Situationen oder belastende Erfahrungen zu reagieren.
Sobald wir, wie mein Vater zu sagen pflegte, wieder etwas „heruntergekocht“ sind, können wir viel über uns selbst lernen, wenn wir unsere Reaktionen ehrlich und konstruktiv beobachten. Wenn Wut richtig ausgedrückt wird, kann sie uns helfen, unser Leben so voranzubringen, dass wir besser gerüstet sind, um uns um unsere Lieben zu kümmern.
2. Gehen Sie der Ursache Ihres Ärgers auf den Grund
„Was ist hier eigentlich los?“ Diese Frage stelle ich mir oft, wenn ich merke, dass meine emotionale Temperatur steigt oder ich mich über etwas ärgere.
- Manchmal geht es bei meiner Wut weniger um die tatsächliche Situation, in der ich mich befinde, als vielmehr darum, was sie in mir ausgelöst hat.
- Manchmal ist es angestaute Frustration oder das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden.
- Manchmal ist eine starke Reaktion gerechtfertigt, etwa wenn Grenzen überschritten wurden oder ich der Meinung bin, dass mir jemand schaden möchte.
Sich nach dem Abklingen des ersten Ärgers ehrlich zu fragen, was genau passiert ist, hilft enorm – besonders, um in Zukunft besser reagieren zu können.
Wenn ich mich nicht um mich selbst kümmere, werde ich wütend – auf MICH. (Lesen Sie hierzu auch den Artikel "Selbstfürsorge ist wichtig")
3. Achten Sie auf emotionale Warnzeichen bei Pflegebelastung
Viele Menschen erleben Wut als plötzlichen, unkontrollierbaren Ausbruch – aber meist gibt es Warnsignale, die wir übersehen. Es hilft, regelmäßig innezuhalten und sich selbst wahrzunehmen.
Schlägt Ihr Herz schneller? Ist Ihr Gesicht heiß? Haben Sie ein flaues Gefühl im Magen? Kreisen Ihre Gedanken immer wieder um dieselbe Situation?
Indem Sie Ihre körperlichen und emotionalen Signale bewusst wahrnehmen, können Sie rechtzeitig gegensteuern. Selbstfürsorge beginnt, bevor Sie den Siedepunkt erreichen.
4. Entwickeln Sie Strategien, um Ärger zu bewältigen und Schuldgefühle loszulassen
Ein klarer, strukturierter Plan ist der beste Weg, um mit Ärger oder Wut umzugehen. Es ist wichtig zu wissen, dass Sie sich jederzeit aus einer belastenden Situation zurückziehen dürfen. Wenn sich die Umgebung angespannt oder unangenehm anfühlt, ist eine Pause oft eine gute Option.
Entspannungstechniken wie bewusstes Atmen, Meditation oder Tagebuchschreiben können helfen, Stress abzubauen.
Diese Praktiken können uns helfen, innere Ruhe zu finden. Das erleichtert es, die Herausforderungen anzusprechen, mit denen wir ringen. Es kann auch sehr heilsam sein, mit einer vertrauten Person über die eigenen Gefühle zu sprechen. Gehört und verstanden zu werden hilft, die aufgestauten Emotionen loszulassen und wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
Fazit
Ärger und Wut sind ganz normale menschliche Emotionen – doch für Pflegende sind sie oft mit zusätzlichem Druck verbunden. Wir fühlen uns schuldig, weil wir glauben, sie nicht empfinden zu dürfen.
Doch Wut ist kein Vergehen, sondern ein Warnsignal. Sie macht uns nicht zu schlechten Menschen, nur weil wir sie fühlen.
Es geht darum, achtsam mit diesem Gefühl umzugehen, Wege zu finden, es auszudrücken, und dabei nachsichtig mit uns selbst zu sein. Wir müssen nicht nur mit jenen umsichtig sein, die diese Gefühle in uns auslösen (auch wenn es unsere Angehörigen sind), sondern auch mit uns selbst.
Wut kann kräftezehrend sein und uns aus dem Gleichgewicht bringen – doch sie bietet auch eine Chance: die Möglichkeit, zu reflektieren, zu verstehen und zu wachsen. Wenn wir lernen, unsere Wut anzunehmen und aus ihr zu lernen, öffnen wir uns für Veränderung und stärken unsere innere Widerstandskraft.

