Ein Mann sitzt am Bett seiner kranken Frau und hält ihre Hand

4 Wege, die Pflege von Angehörigen gut zu meistern

Pflege zu übernehmen ist eine anspruchsvolle Aufgabe – körperlich wie emotional. Gerade pflegende Männer finden sich dabei oft in einer Rolle wieder, auf die sie wenig vorbereitet sind. Aus eigener Erfahrung zeigt Marc Lawrence, dass gute Pflege nicht mit körperlicher Stärke allein zu tun hat, sondern mit Haltung, Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft.

Diese vier Wege können dabei helfen, die eigene Rolle als Pflegeperson bewusster und unterstützender zu gestalten:



In diesem Artikel möchte ich einige konkrete Ratschläge geben, die Männern helfen können, ihre Pflegekompetenzen zu verbessern. Mir ist dies ein Anliegen, da männliche Pflegende nach wie vor eine Minderheit im Pflegesystem darstellen. 

Diese Tipps gelten selbstverständlich auch für Frauen. Manche würden jedoch sagen, dass Frauen viele dieser Aspekte intuitiv umsetzen, während Männer sie bewusst erlernen müssen. So oder so hoffe ich, dass dieser Artikel hilfreich für Sie ist, wenn Sie versuchen, Ihren Weg in dieser neuen und herausfordernden Realität zu finden.



1. Pflege ist mehr als Muskelkraft: Auch Nähe und Aufmerksamkeit zählen

Pflegen Sie eine Person mit körperlichen Einschränkungen, neigen Sie vielleicht dazu, bei Transfers – etwa beim Aufstehen oder Umsetzen vom Bett in den Rollstuhl – oder bei Aktivitäten des täglichen Lebens Ihre eigene Muskelkraft einzusetzen. In akuten Situationen ist das manchmal unvermeidbar, doch als dauerhafte Lösung birgt es Risiken: Für Sie als Pflegeperson steigt die Gefahr von körperlicher Überbelastung oder Verletzungen. Gleichzeitig wird die Selbständigkeit der gepflegten Person eingeschränkt, da sie weniger Gelegenheiten hat, eigene Fähigkeiten zu nutzen oder zurückzugewinnen. 

Orientieren Sie sich an professionellen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, die mit Hebelwirkung und einem guten Verständnis der Körpermechanik arbeiten. Während der Therapie meiner Frau habe ich erlebt, dass selbst zierliches Pflegepersonal auf diese Weise Patientinnen und Patienten mit hohem Körpergewicht sicher unterstützen konnte. Binden Sie die zu pflegende Person so aktiv wie möglich ein – das ist nicht nur sicherer für Sie, sondern auch förderlich für deren körperliche und emotionale Gesundheit.


2. Verlassen Sie Ihre eigene Gedankenwelt

Mitgefühl bedeutet, den Schmerz einer anderen Person nachzuempfinden – es entsteht im Kopf. Empathie hingegen bedeutet, sich in die Lage eines anderen Menschen zu versetzen und zu verstehen, was diese Person durchlebt.

Viele Männer sind gut darin, Mitgefühl zu zeigen, tun sich aber schwer, einfühlsam zu sein. In der Pflege ist Empathie jedoch entscheidend. Pflegen heißt nicht nur mitzufühlen, sondern vor allem die Welt aus der Perspektive der zu pflegenden Person zu verstehen. Dieses Verständnis hilft Ihnen, die Pflege und Lebensqualität gezielt zu verbessern.

Empathisch zu sein ist nicht leicht. Es bedeutet zu fühlen anstatt sich distanziert und sachlich zu verhalten, wie es vielen Männern früh beigebracht wird. Doch das bewusste Üben von Empathie bringt Sie der Person, die Sie pflegen, näher und stärkt zugleich Vertrauen und Zuversicht.


3. Scheuen Sie sich nicht vor unangenehmen Aufgaben

Ob berechtigt oder nicht – Männer haben in der Pflege oft den Ruf, grundlegende Aufgaben wie das Waschen oder Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme zu meiden. Abhängig von Ihrer eigenen Situation können Sie vielleicht Unterstützung für diese Tätigkeiten hinzuziehen. Dennoch empfehle ich Ihnen, sich bewusst mit allen Aufgaben vertraut zu machen.

Ich pflege meine Frau und kümmere mich zu 100 % um ihre Bedürfnisse, auch um alle die Hygiene betreffenden Aufgaben. Auch wenn das nicht immer leicht ist, bin ich heute eine bessere Pflegeperson, weil ich weiß, dass ich mit jeder Situation umgehen kann, die auftritt. Noch wichtiger ist: Meine Frau vertraut ebenfalls darauf.

Man weiß nie, wann eine Notsituation eintritt. Aber genau das ist dann nicht der richtige Zeitpunkt, sich überhaupt erst mit dem richtigen Vorgehen vertraut zu machen. Ich fühle mich sicher im Umgang mit allem, was meine Frau mir abverlangt, und sie kann dabei durchaus kreativ sein.


4. Bilden Sie sich weiter

Ich bin mit dem Gedanken aufgewachsen, dass es nicht besonders kompliziert ist, sich um sich selbst zu kümmern: duschen, rasieren, Nägel schneiden, die Toilette benutzen – mehr braucht es doch nicht, oder? Erst mit der Zeit habe ich gelernt, wie wichtig es ist, sich intensiver um Haut, Haare, Zähne und Ernährung zu kümmern. Doch dieses Wissen ließ sich nicht so einfach auf die Pflege anderer Personen übertragen.

Ich habe mich sowohl um meinen Vater als auch um meine Frau gekümmert und dabei gelernt, wie wichtig es ist, die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen zu verstehen. Aus männlicher Sicht wirken Frauen oft komplexer – und es kann nötig sein, sich Wissen anzueignen oder externe Hilfe zu nutzen. Zum Beispiel gehe ich lieber mit meiner Frau ins Nagelstudio, als mich selbst an eine Maniküre oder Pediküre zu wagen.

Ich habe mir das nötige Wissen angeeignet, indem ich Fachkräfte befragt, mit meiner Schwester gesprochen und Online-Ressourcen genutzt habe. Es war nicht immer einfach und ich würde nicht behaupten, dass ich mich in allem völlig sicher fühle. Aber es ist entscheidend, nicht nur zu wissen, wie man handelt, sondern auch zu erkennen, wenn etwas nicht stimmt.



Zum Schluss noch eine Frage – Tipp: Vertrauen Sie nicht Ihrem Bauchgefühl

Ein Schläger und ein Ball kosten insgesamt 1,10 €. Der Schläger kostet 1 Euro mehr als der Ball. Wie viel kostet der Ball? 

Viele Menschen – vor allem Männer – sagen spontan, der Ball koste 10 Cent. Doch das ist falsch, denn dann würde der Schläger nur 90 Cent kosten. Die richtige Antwort lautet: Der Ball kostet 5 Cent, der Schläger 1,05 €.  
Wer sich nur auf sein Bauchgefühl verlässt, akzeptiert oft die erste Antwort. Wer inne hält und nachdenkt, erkennt den Fehler und findet die richtige Lösung.

Menschen neigen dazu, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen. Die Moral der Geschichte: In der Pflege sollten wir nicht impulsiv handeln, sondern bewusst und durchdacht. Davon profitieren alle!



Portrait Marc Lawrence, unkenntlich gemacht

 

Autor: Marc Lawrence

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