Drei Frauen mittleren Alters stehen an einem Strand in Outdoorjacken. Sie halten sich lachend im Arm.
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Multiple Sklerose besser verstehen

Indiviuelle Versorgungsansätze


Was ist Multiple Sklerose?


Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), zu dem Gehirn und Rückenmark gehören. Symptome und Krankheitsverlauf können individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.1 Als Ursache der MS wird ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren vermutet. Dazu zählen Umwelteinflüsse wie Ernährung sowie Infektionen. Das Immunsystem spielt eine zentrale Rolle, ebenso wie genetische Faktoren. 1 

MS-Krankheitsanzeichen können z. B. sein:1,2

  • Sehstörungen
  • Taubheitsgefühle 
  • Fatigue   
  • Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats (z. B. Lähmungen)
  • Kognitive Störungen (z. B. Konzentrationsprobleme)
  • Psychische Störungen (z. B. Depressionen)

Wie viele Menschen sind an Multipler Sklerose erkrankt?1,3


Icon Menschen

Ca. 280.000 MS-Erkrankte in Deutschland
Icon Block mit Stift

Mehr als 15.000 Neudiagnosen pro Jahr
Icon mit 3 Personen

Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer an der häufigsten Verlaufsform (schubförmig remittierende MS, RRMS)
Icon mit Zahlen: 20-30

Meist Diagnose zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr

Verlauf, Diagnose und Therapie

Der Verlauf einer MS-Erkrankung kann von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Dabei ist zu beachten, dass die Erkrankung auch milde Verläufe nehmen kann und nicht zwangsläufig zu einem Leben im Rollstuhl führt. Durch eine patientenindividuelle Versorgung ist für viele Betroffene ein aktives Leben trotz der Erkrankung möglich.4

Traditionell werden drei Verlaufsformen der MS unterschieden:1

  • Schubförmig remittierende MS (RRMS): Mit 80 % ist dies die häufigste Verlaufsform. Die Krankheitssymptome treten hierbei in Schüben auf, zwischen denen sie sich teilweise oder vollständig zurückbilden können. Die schubförmige Form kann in eine sekundär progrediente MS übergehen.
  • Sekundär progrediente MS (SPMS): Diese Krankheitsform entwickelt sich aus der schubförmig remittierenden MS und betrifft etwa 15 % der Menschen mit MS. Sie schreitet auch ohne Schübe und Remissionsphasen kontinuierlich voran.
  • Primär progrediente MS (PPMS): Diese Krankheitsform schreitet von Beginn an stetig voran. Nur ca. 5 % der Betroffenen sind an dieser Form der MS erkrankt.

Da die MS vielfältige Symptome verursacht, die auch anderen Erkrankungen zugeordnet werden können, kann es gerade im Anfangsstadium schwierig sein, eine gesicherte Diagnose zu stellen. Die Grundlage dafür bilden eine sorgfältige Anamnese, eine neurologische Untersuchung sowie der Ausschluss anderer Erkrankungen. Die Diagnosestellung erfolgt anhand der sogenannten McDonald-Kriterien.1,5

Im Rahmen der Diagnosestellung werden in der Regel mehrere Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnisse gemeinsam bewertet werden.

Zu den wichtigsten Untersuchungen zählen:3

  • die neurologische und körperliche Untersuchung
  • die Magnetresonanztomographie (MRT) von Gehirn und Rückenmark
  • die Lumbalpunktion zur Untersuchung des Nervenwassers (Liquor)
  • die Messung evozierter Potenziale zur Beurteilung der Nervenleitfähigkeit

Zwar ist die MS bis heute nicht heilbar, es stehen aber verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung, die individuell auf die Betroffenen abgestimmt werden. Dabei werden neben der Verlaufsform sowie der Krankheitsaktivität auch Alter und Geschlecht sowie die individuelle Lebenssituation und Begleiterkrankungen berücksichtigt.6

Die MS-Therapie basiert auf drei Säulen:1

  • Schubtherapie: Kurzfristige Therapie eines aktuellen Schubes mit dem Ziel, die Entzündungsreaktion zu hemmen. Dabei wird in der Regel mit Glukokortikoiden behandelt. 

  • Verlaufsmodifizierende Therapie: Langfristige Therapie mit dem Ziel, das Fortschreiten der Erkrankung zu beeinflussen und die Krankheitsaktivität zu reduzieren. Hierfür stehen verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung.

  • Symptomatische Therapie: Die Behandlung zielt darauf ab, Symptome zu lindern und körperlichen sowie psychischen Beeinträchtigungen vorzubeugen. Hierfür stehen nicht-medikamentöse Optionen zur Verfügung, wie z. B. Physio- oder Psychotherapie. 


Bedeutung der Therapieadhärenz bei MS


Für den langfristigen Behandlungserfolg bei Multipler Sklerose ist es wichtig, dass die Therapie konsequent und dauerhaft durchgeführt wird. Dies wird als Therapietreue bzw. Therapieadhärenz/Therapiepersistenz bezeichnet. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist, dass Therapieentscheidungen gemeinsam von Ärztin oder Arzt und der erkrankten Person getroffen werden. Analysen von Verordnungsdaten haben gezeigt, dass im ersten Jahr über 75 % der Menschen mit MS eine Therapieadhärenz von mindestens 80 % aufweisen. Dieser Anteil sinkt im Laufe der Zeit kontinuierlich und liegt im fünften Jahr bei ca. 55 %.7 Eine hohe Therapieadhärenz kann dazu beitragen, Krankheitsfolgen zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.8 

Verschiedene Faktoren können die Therapieadhärenz beeinflussen. Dazu zählen beispielsweise:9,10 

  • Nebenwirkungen
  • Begleiterkrankungen 
  • das Vergessen von Medikamenteneinnahmen beziehungsweise Injektionen 
     

Gleichzeitig gibt es Faktoren, die die Therapietreue fördern können. Dazu gehören beispielsweise:10

  • eine gute Aufklärung über die Erkrankung und ihre Behandlung
  • eine enge Begleitung durch das Behandlungsteam
  • die Zufriedenheit mit der gewählten Therapie
  • der Austausch mit Fachpersonal

     



Lebensperspektiven mit Multipler Sklerose

Multiple Sklerose beeinflusst das Leben von Betroffenen auf sehr unterschiedliche Weise. Erfahren Sie, wie Menschen mit MS ihr Leben aktiv gestalten und mit den Herausforderungen der Erkrankung umgehen. 

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Ein Mann und eine Frau stehen sich gegenüber. Die Frau hat ihre Arme auf die Schulterndes Mannes gelegt

REFERENZEN:

1 Hemmer B et al. S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 08.06.2026)
2 Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V. (DMSG), online: www.dmsg.de/multiple-sklerose/symptome (abgerufen am 31.08.2026)
3 Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V. (DMSG), online: www.dmsg.de/multiple-sklerose/was-ist-ms (abgerufen am 31.08.2026)
4 Wiendl H et al. Nervenarzt. 2021 Aug;92(8):773-801
5 Montalban X et al. Lancet Neurol. 2025 Oct;24(10):850-865
6 Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V. (DMSG), online: www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-behandeln (abgerufen am 31.08.2026)
7 Evans C et al. BMJ Open. 2021 Feb 5;11(2):e043930
8 Devonshire V et al. Eur J Neurol. 2011 Jan;18(1):69-77
9 Washington F, Langdon D. J Neurol. 2022 Apr;269(4):1861-1872
10 Kołtuniuk A, Chojdak-Łukasiewicz J. Int J Environ Res Public Health. 2022;19(4):2203

 


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