Ein Mann und eine Frau gehen mit Nordig Walking Stöcken durch den Park, um trotz ihrer MS-Erkrankung in Bewegung zu bleiben

In Bewegung bleiben – warum das auch bei MS wichtig ist

In Bewegung zu bleiben ist für Menschen mit Multipler Sklerose (MS) nicht immer einfach – kann aber positive Effekte haben. Dan und Jennifer Digmann teilen ihre persönlichen Erfahrungen und zeigen, warum Aktivität in jeder Form zählt.



An dem Tag, an dem ich Jennifer kennengelernt habe, war ich so angetan von ihr, dass ich wusste, dass ich eines tun musste: spazieren gehen. Es gab eine Frau, für die ich gesund bleiben wollte.

Ich wusste, dass ich alles tun wollte, um aktiv zu bleiben – nicht nur für diese Frau, die ebenfalls mit MS lebte und die ich eines Tages heiraten und mit der ich eine Zukunft haben wollte, sondern auch für mich als Person, die versuchte, der MS einen Schritt voraus zu sein.

Aus Spaziergängen wurde Joggen, und innerhalb weniger Jahre lief ich 5 km Rennen. Jennifer, heute meine Ehefrau, war bei jeder Veranstaltung dabei und feuerte mich entlang der Strecke an.

Ich bin gern gelaufen, um fit zu bleiben, Stress abzubauen und mich trotz dieser Erkrankung selbst herauszufordern. Ich musste mich eigentlich nie überwinden, um eine Runde laufen zu gehen.

Meine größte Herausforderung beim Laufen war der Moment, in dem ich akzeptieren musste, dass es in Ordnung ist, aufzuhören. Es war, als hätte die Krankheit begonnen, mir einen Schritt voraus zu sein, statt umgekehrt. Mein linkes Bein wurde durch die MS zunehmend geschwächt, was zu einigen Stürzen bei meinen abendlichen Läufen führte. Ich wollte mich immer bis an meine Grenzen bringen, aber mit blutigen Knien und Knöcheln nach Hause zu kommen und noch schwerere Verletzungen zu riskieren, ging zu weit.

Es gab schließlich eine Frau, für die ich gesund bleiben wollte.

Ich habe also nicht aufgehört zu laufen, weil die MS mich besiegt hätte. Ich habe aufgehört, um sicherzugehen, dass ich gesund bleibe – für Jennifer und für mich.

Die Realität ist, dass ich nicht mehr laufe – aber das bedeutet nicht, dass ich aufgehört habe, mich zu bewegen. Das ist für uns alle mit MS entscheidend: körperlich aktiv zu bleiben – so, wie es individuell möglich ist.

Schauen Sie ehrlich auf Ihre Fähigkeiten im Rahmen der MS

Schauen Sie, wo Sie stehen und was für Sie möglich ist. Beginnen Sie damit, mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu sprechen – und gegebenenfalls mit Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten oder Trainerinnen und Trainern, die sich mit MS auskennen. Manchmal muss man ein wenig Ausprobieren, bis sich zeigt, was funktioniert und was nicht. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen helfen, verschiedene Optionen zu prüfen. Ich kann zwar nicht mehr laufen, aber ich kann gehen, Gewichte heben und sogar Ausfallschritte und Liegestütze machen.

Häufig ist Jennifer für mich eine Inspiration. Sie ist auf einen Rollstuhl angewiesen und kann nicht mehr eigenständig stehen – und trotzdem würde ich sagen, dass sie aktiver ist als ich. Sie macht das, was für sie möglich ist: Sie dehnt sich, trainiert mit ihrem Arm-Ergometer und einem passiven Bewegungstrainer, steht regelmäßig in ihrem Stehtrainer und nimmt jede Woche an einem speziell für Menschen mit MS und Parkinson konzipierten Bewegungskurs teil.

Setzen Sie sich realistische Ziele

Denken Sie darüber nach, was Sie erreichen möchten, um aktiv zu bleiben. Möchten Sie stärker werden? Ihre Ausdauer verbessern? Oder Ihr aktuelles Fitnessniveau halten? Bewerten Sie Ihre Ziele und schreiben Sie auf, was Sie erreichen möchten. Wir haben festgestellt, dass uns das hilft, auf Kurs zu bleiben – und verhindert, dass wir es übertreiben. Wie das Sprichwort sagt: „Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch.“

Seien Sie Ihr größter Fan

Gehen Sie achtsam und freundlich mit sich selbst um und haben Sie Geduld mit sich. Das Ganze ist ein langfristiger Weg. Wenn Sie am Anfang zu viel auf einmal wollen, riskieren Sie, sich zu überfordern oder sich zu verletzen. Starten Sie langsam und bleiben Sie kontinuierlich dran. Seien Sie außerdem flexibel und bereit, Ihr Trainingsprogramm anzupassen. Als Jennifer zum Beispiel ein Gewicht mit 500 Gramm nicht mehr sicher über den Kopf heben konnte, stellte sie fest, dass sie mit einem Widerstandsband den gleichen Nutzen erzielte.

Unterstützende Maßnahmen: Motivation und Bewegung bei MS

So sehr Sie Menschen an Ihrer Seite im Umgang mit MS brauchen, gilt das Gleiche für Ihr Bestreben, aktiv zu bleiben. Manchmal wird es schwer sein, motiviert zu bleiben und weiterzumachen. Ob Familienmitglieder oder eine Trainingspartnerin bzw. ein Trainingspartner – diese begleitende Unterstützung hilft Ihnen, dranzubleiben und Sie zu ermutigen. Als ich noch 5 km Rennen lief, half mir allein der Anblick von Jennifer an der Strecke, um bis zur Ziellinie zu kommen.

Es hilft auch, Motivation zu finden oder unterstützend begleiten zu können. Hierbei helfen z.B. auch Seiten wie www.aktiv-mit-ms.de.

Feiern Sie all Ihre Erfolge

Wenn etwas schiefgeht, scheint Aufgeben manchmal der einfachste Weg zu sein – selbst bei kleinen Dingen.
Warum fällt es uns dann so schwer, etwas zu feiern, wenn es gelingt? Ganz egal, wie unbedeutend Ihnen ein Erfolg erscheinen mag: Alles, was Sie tun, um aktiv zu bleiben, ist etwas Großes und verdient Anerkennung. Und jeder einzelne Erfolg kann Sie dazu ermutigen, dranzubleiben und nicht die MS das Tempo bestimmen zu lassen.
 



Porträt von Dan und Jennifer Digmann welche Geschichten aus Ihrem Alltag mit ihrer MS- Erkrankung erzählen

 

Autoren: Dan und Jennifer Digmann

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