Beziehungen nach einer Psychose neu gestalten
Ein starkes unterstützendes Umfeld ist entscheidend für die Genesung nach einer Psychose. Leider berichten manche Betroffene, dass es während oder nach einer Episode häufiger zu belasteten Beziehungen oder sogar zu Beziehungsabbrüchen kommt.
Lesley McCuaig schildert, wie sie nach einer schizophreniebedingten Psychose Beziehungen reflektiert, neu aufgebaut und teilweise auch hinter sich gelassen hat.
Psychosen beeinflussen, wie Menschen Informationen verarbeiten. Sie können dazu führen, dass jemand Dinge sieht, hört oder glaubt, die für andere nicht real sind.1
Eine der häufigsten Begleiterscheinungen einer Psychose sind Schwierigkeiten, Beziehungen aufrechtzuerhalten oder neu zu gestalten. Und während Schizophrenie – die Erkrankung, mit der ich lebe – selbstverständlich auch Angehörige, Freundinnen und Freunde betrifft, vergessen viele, dass sie vor allem auch die betroffene Person selbst tiefgreifend verändert.
Wenn die Symptome einer Psychose abklingen, können sich auch einige Beziehungen wieder stabilisieren.
Doch manchmal ist die Belastung durch eine psychotische Episode zu groß – und eine Verbindung bleibt auch dann zerbrochen, wenn die Symptome längst nachgelassen haben.
Es ist nie leicht, Menschen zu verlieren, die einem wichtig sind. Auch wenn es schmerzhaft ist, müssen wir uns die Zeit nehmen, den Verlust zu betrauern – und zu lernen, weiterzugehen.
Wie sich Psychosen auf meine Beziehungen ausgewirkt haben
Ich habe durch meine Psychosen mehrere enge Beziehungen verloren. Einige davon konnte ich mit Zeit und Geduld wieder aufbauen – andere sind dauerhaft verloren gegangen.
Vermisse ich diese Menschen? Ja, manchmal. Ich denke oft darüber nach, wie meine Beziehungen vor und nach meiner Schizophrenie-Diagnose waren.
Doch rückblickend habe ich erkannt, dass manche dieser Verbindungen schon vorher brüchig waren – manche sogar toxisch. Mit anderen Worten: Es waren von Anfang an keine besonders stabilen Beziehungen.
Während einer Psychose werde ich völlig von meiner eigenen Realität eingenommen. Eines meiner Symptome sind akustische Halluzinationen, also das Hören von Dingen, die objektiv nicht da sind. Aber für mich fühlt sich das in diesen Momenten sehr real an – es ist meine Realität.
In solchen Phasen fehlt oft das Urteilsvermögen, um Situationen richtig einzuordnen oder zwischen Realität und Wahrnehmung zu unterscheiden. Das kann Beziehungen stark belasten. Außenstehende erleben mein Verhalten dann möglicherweise als seltsam oder unvorhersehbar – etwa, wenn ich mit Stimmen spreche, die andere nicht hören können.
Diese Symptome können es schwer machen, auf eine Weise mit Familie, Freundinnen, Freunden oder Betreuungspersonen zu interagieren, die gesellschaftlich als „normal“ gilt. Und für alle Beteiligten ist das eine zutiefst verunsichernde und schwierige Erfahrung.
Verluste verarbeiten und Beziehungen nach einer Psychose neu wertschätzen
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Behandlung können Menschen nach einer Psychose wieder stabil werden und beginnen, das Verlorene Schritt für Schritt neu aufzubauen. Freundinnen, Freunde, Angehörige und Fachkräfte, denen man vertraut, spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Manchmal sind Menschen aus verschiedenen Gründen – etwa wegen mangelndem Verständnis, Stigmatisierung oder eigener psychischer Belastung – nicht in der Lage, jemanden in dieser Phase zu unterstützen. Ich kann das nachvollziehen. Dennoch empfinde ich große Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die geblieben sind – die unsere Freundschaft oder Beziehung nicht von einer psychotischen Episode definieren ließen.
Niemand kommt unversehrt aus einer Psychose. Danach geht es oft darum, mit den Folgen von Trauma, Schuld oder Scham umzugehen.

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3 Wege, um mit belasteten Beziehungen nach einer Psychose umzugehen
Wenn eine Psychose zum Bruch einer Beziehung führt, sollten Sie sich erlauben, diesen Verlust zu betrauern.
Nehmen Sie sich Zeit, um zu reflektieren und Ihre Gefühle zuzulassen. Es kann helfen, darüber zu sprechen – mit einer vertrauten Person oder einer Fachkraft, die Sie begleitet.
Nach der Trauerphase ist es wichtig, sich bewusst für das Weitergehen zu entscheiden – mit den Menschen, die Sie lieben und respektieren.
Der Schmerz über eine verlorene Beziehung kann groß sein, aber indem Sie sich Ihren Gefühlen stellen, schaffen Sie Raum für Heilung – mit oder ohne die betreffende Person.
Das Loslassen war für mich eine der wichtigsten und schwersten Lektionen, seit ich meine Schizophrenie-Diagnose erhalten habe. Ich musste lernen, mein früheres Leben loszulassen und neue, realistische Ziele für die Zukunft zu setzen.
Beziehungen sind auch ohne psychische Erkrankung oft kompliziert. In meinem Fall kamen zusätzlich zehn Jahre Alkoholabhängigkeit hinzu, die vieles noch schwieriger machten. Manchmal erscheint es mir wie ein Wunder, dass ich heute noch Freundinnen und Freunde habe.
Aber: Mit Zeit, Geduld, Anstrengung und Engagement können Beziehungen eine Psychose überstehen – und sogar gestärkt daraus hervorgehen. Sie können wieder lernen, zu vertrauen, zu lachen und zu lieben.
Fazit
Eine Psychose kann das Leben erschüttern – aber sie muss nicht definieren, wer Sie sind.
Beziehungen verändern sich, sie schwanken, sie wachsen.
Es ist schmerzhaft, wenn jemand geht – besonders, wenn Sie gerade am verletzlichsten sind. Aber das bedeutet nicht, dass alle Beziehungen so enden müssen.
Mit kontinuierlicher Behandlung, Unterstützung und Eigenverantwortung ist es möglich, ein erfülltes Leben mit wertvollen, stabilen Beziehungen zu führen.
Beziehungen können eine Psychose überstehen – und daran wachsen.
Quellen
1 Psychosen », https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/stoerungen-erkrankungen/psychosen/ (zuletzt aufgerufen am 29.04.2026)
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